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Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2015

„Stylus Phantasticus“

Wo Fantasie, Capriccio, Präludium, Toccata oder Chaconne draufsteht, ist Improvisation drinnen. So wie heute im Jazz oder im Rock, wurde schon in der Renaissance und im Barock selbstverständlich aus dem Moment heraus und frei musiziert. Auf der Grundlage des Basso continuo entwickelten sich freie melodische und rhythmische Gestaltungsformen. Das Unerwartete wurde zum Ereignis.

Im 17. Jahrhundert bildete sich aus dieser Musizierweise der „Stylus Phantasticus“ heraus. „Die allerfreieste und ungebundenste“ Art des Musizierens, Singens und Komponierens, wie der deutsche Barockkomponist und Musikgelehrte Johann Mattheson feststellte.

Improvisation wird von Alessandro De Marchi zum Hauptthema der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2015 gemacht. Damit rückt der „Stylus Phantasticus“ in den Mittelpunkt. Der Stil war viele Jahrzehnte lang sowohl für die Komposition, als auch für eine freie musikalische Darbietung maßgeblich. Gleichzeitig war er eine allgemeine Musizierhaltung – und ist es heute in der Renaissance der Alten Musik wieder!

Geprägt hat den Begriff der deutsche Universalgelehrte Athanasius Kircher 1650 in seiner Schrift „Musurgia universalis“, in der er eine Musik beschrieb, „die der Phantasie der Komponisten keine strikten Regeln auferlege / die nicht an Worte oder einen Cantus firmus gebunden ist / dem Komponisten weite Entfaltungsmöglichkeiten gibt und Gelegenheit an die Grenzen seiner Kunst zu gehen … “

Von Italien, wo Claudio Merulo in Venedig und Parma mit seinem freien und formenreichen Spiel die Orgelmusik auf eine neue Höhe führte, breitete sich der „Stylus Phantasticus“ über ganz Europa aus. Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein setzte er „in Verwunderung, da man bald auf diese bald auf jene Einfälle geräth, da allerhand sonst ungewöhnliche Gänge, versteckte Zierrathen, sinnreiche Drehungen und Verbrämungen hervorgebracht werden, ohne eigentliche Beobachtung des Tacts und Tons; bald hurtig bald zögernd; bald ein- bald vielstimmig; bald auch auf eine kurze Zeit nach dem Tact: ohne Klang-Maasse; doch nicht ohne Absicht zu gefallen“, um noch einmal die Worte von Mattheson zu wählen.

Das Phantastische, Unvorhersehbare, „Unvorherhörbare“ öffnete neue Räume der Musik. Auch heute wieder beherrschen Interpreten der Alten Musik den „Stylus Phantasticus“. Improvisation ist eine Voraussetzung historischer Aufführungspraxis. Nicht nur in der Instrumentalmusik, auch in der Barockoper. In Arien werden Verzierungen, Kadenzen und Figuren gesungen, die nicht in den Noten stehen, sondern von den Sängern aus dem Augenblick heraus gestaltet werden.

Zwei Opern stehen 2015 im Zentrum der Innsbrucker Festwochen. „Il Germanico“ von Nicola Porpora und „Armide“ von Jean-Baptiste Lully. Porpora war Händels größter Konkurrent in London als Opernkomponist und Impresario, außerdem der berühmteste Gesangslehrer des 18. Jahrhunderts. Seine Arien spiegeln zu hundert Prozent die technischen und gestalterischen Mittel des Barockoperngesangs wider. „Il Germanico“ erlebt in Innsbruck die erste Wiederaufführung nach fast drei Jahrhunderten. Als BAROCKOPER:JUNG wird erstmals in Innsbruck eine französische Oper aufgeführt. „Armide“ war Jean-Baptiste Lullys letzte große Operntragödie und ist die erste „psychologische Oper“.

Barockoper ist 2015 nicht nur auf den Bühnen zu erleben, sondern auch im Eröffnungs- und Abschlusskonzert. Aus Anlass der 250. Wiederkehr der Residenz des Habsburger Hofes in Innsbruck gibt es in der Hofburg ein Konzert unter dem Titel „Gala für Maria Theresia“, in der Ausschnitte aus Opern von Maria Theresias Lieblingskomponisten Hasse und einem ihrer Hofkomponisten, Gluck, zu hören sein werden. Als Gegengewicht zu Lully gibt es zum Ausklang der Festwochen die schönsten Liebes-Arien aus Opern von Rameau.

Komponisten im  „Stylus Phantasticus“ wie Merulo, Frescobaldi und der Innsbrucker Hofmusiker Pandolfi Mealli sind bei den Festwochen 2015 ebenso vertreten wie der venezianische Meister Vivaldi und der deutsche Tonsetzer Praetorius, der einst die Organisten auch schon zum improvisierten Spiel anregte, zu ausgehaltenen Akkorden „mit der anderen Hand feine Läufflin / und andere Diminutiones, wie in den toccaten gebreuchlich / miteinzubringen“.

 

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Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2014

97 Prozent Auslastung und weltweites Echo

Mit großem Jubel für die Opernproduktion von Domenico Scarlattis „Narciso“ endeten am Sonntag die 38. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik. Das Motto „1685“ und der Schwerpunkt auf der Musik von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Domenico Scarlatti lösten ein enorm starkes Publikumsinteresse aus. Die Opern und die Konzerte der Innsbrucker Festwochen sowie der Ambraser Schlosskonzerte verzeichneten heuer eine Gesamtauslastung von 97 Prozent. Viele Veranstaltungen waren restlos ausverkauft. Das Publikum erlebte „durchgängig Veranstaltungen mit einem äußerst hohen künstlerischen Niveau“, freut sich der Geschäftsführer der Innsbrucker Festwochen, Markus Korselt. 10.661 musikbegeisterte Menschen besuchten diesmal die Opernaufführungen und Konzerte der Festwochen. Dazu kamen 12.330 BesucherInnen der frei zugänglichen Veranstaltungen wie dem Schlossfest Ambras, das heuer sein 20-jähriges Jubiläum feierte, und der Lunchkonzerte im Hofgarten.

79 Journalisten aus zwölf Ländern, von Südkorea über Russland bis Frankreich und England, besuchten heuer als Berichterstatter die Innsbrucker Festwochen. Stark war auch das Interesse für den 5. Internationalen Gesangswettbewerb für Barockoper Pietro Antonio Cesti. Aus den mehr als 200 Anmeldungen wählte die Jury 98 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 31 Nationen aus, die um den Einzug in das Finale sangen. Der Sieg ging an den britischen Tenor Rupert Charlesworth. Das Finalkonzert wurde weltweit als Stream übertragen und von 4.000 Zuschauern verfolgt.

Die 39. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik beginnen 2015 mit dem ersten Ambraser Schlosskonzert am 14. Juli und enden am 27. August. Der Kartenverkauf für die Saison 2015 beginnt Ende November.

Rupert Charlesworth/ © Martin Vandory

Britischer Tenor gewinnt Cesti-Wettbewerb 2014

Rupert Charlesworth räumt insgesamt vier Preise ab

Zum ersten Mal gewann ein männlicher Teilnehmer den Internationalen Gesangswettbewerb für Barockoper Pietro Antonio Cesti der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik. Der 27jährige britische Tenor Rupert Charlesworth erhielt dabei am Donnerstag, den 21. August, im Finalkonzert nicht nur von der Jury den mit 4000 Euro dotierten ersten Preis zuerkannt, sondern sang sich auch in die Herzen aller Zuhörer im Saal des Tiroler Landeskonservatoriums und gewann den Publikumspreis (1000 Euro). Außerdem wurde der Brite, der mit einer Arie des Renaud aus Lullys Oper „Armide“ und mit einer Arie des Damon aus Händels Masque „Acis and Galathea“ überzeugte, mit zwei Sonderpreisen (Engagements am Theater an der Wien und beim Festival „Resonanzen“ im Wiener Konzerthaus) ausgezeichnet.
Die Plätze zwei und drei gingen an zwei 27jährige Sopranistinnen. Der zweite Preis (3000 Euro) wurde Giulia Semenzato aus Italien verliehen, die eine Arie der Phénice aus „Armide“ und eine Arie der Aristea aus Pergolesis Oper „L’Olimpiade“ sang. Den dritten Preis (2000 Euro) erhielt Daniela Skorka aus Israel für eine Arie der Armide aus Lullys Oper und eine Arie der Angelica aus Händels Oper „Orlando“.
Diesmal stand erstmals eine französische Barockoper im Mittelpunkt des Wettbewerbs-Repertoires. Lullys „Armide“ wird dann kommendes Jahr bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik als BAROCKOPER:JUNG mit Preisträgern und Teilnehmern des diesjährigen Wettbewerbs aufgeführt. Das Centre de Musique Baroque de Versailles stiftete heuer den „Young Artists Award“ (1500 Euro), mit dem die 23jährige italienische Sopranistin Miriam Albano ausgezeichnet wurde.
Insgesamt stellten sich beim größten Barockopern-Wettbewerb der Welt an vier Wettbewerbstagen 98 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 31 Nationen der internationalen Jury unter Vorsitz von Sebastian Schwarz vom Theater an der Wien. Der Jury gehörten außerdem der Intendant der Händelfestspiele Halle, Clemens Birnbaum, der Leiter der Ö-1-Opernredaktion, Michael Blees, der Künstlerische Leiter des Centre de Musique Baroque de Versailles, Benoît Dratwicki, der Künstlerische Leiter des Teatro La Fenice in Venedig, Fortunato Ortombina, der Artist Manager Eitan Sorek und der Künstlerische Leiter der Innsbrucker Festwochen, Alessandro De Marchi, an.

Vorprogramm 2015

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