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Triumph für Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

2015 mit vielen Höhepunkten und 99 Prozent Auslastung 

Il Germanico“ geriet „zum Triumph für alle – und zum glanzvollen Revival für den Komponisten Nicola Porpora“, schrieb die Süddeutsche Zeitung. „Die bald dreihundertjährige Musik wurde mit einer unglaublichen Spannkraft zum Leben erweckt“, berichtete die Neue Zürcher Zeitung über „Il Germanico“, „die Realisierung ist aufs Engste mit dem Charisma Alessandro De Marchis, seinem Barockorchester Academia Montis Regalis und den profiliertesten Sängerinnen und Sänger der Barockszene verbunden. Das lässt sich nicht kopieren.“ Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb: „Die Innsbrucker Festwochen haben ein Kleinod entdeckt: Die Oper ‚Il Germanico‘ von Nicola Porpora, nach 283 Jahren endlich wiederaufgeführt, entpuppt sich als großartiges Dacapo-Arien-Sängerfest.“ Dirigent der Oper und Künstlerischer Leiter der Innsbrucker Festwochen, Alessandro De Marchi, freut sich über den großen Erfolg: „Wir konnten die Begeisterung und Wärme, die uns das Publikum entgegengebracht hat, förmlich spüren. Das Ganze war nur möglich, weil alle an einem Strang gezogen haben und so viele Menschen unermüdlich bei der Realisierung und Umsetzung dieser fantastischen Produktion mitgeholfen haben.“

Die umjubelte Produktion von „Il Germanico“ krönte die an Höhepunkten reichen 39. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, die heute Freitag mit „Musik im Gottesdienst“ in der Stiftskirche Wilten zu Ende gehen. Standing Ovations und großen Jubel des Publikums gab es nicht nur für Alessandro De Marchi, Patricia Bardon und die weiteren Sängerinnen und Sänger in „Il Germanico“, sondern auch  für das Balthasar-Neumann-Ensemble, den Dirigenten Pablo Heras-Casado, die Hofkapelle München, die Gesangsstars Anna Prohaska, Valer Sabadus, Sunhae Im, Sandrine Piau, den Geiger Giuliano Carmignola, das Innsbrucker Trompeten-Consort, Les Paladins und viele mehr. Die drei Vorstellungen der völlig unbekannten Oper „Il Germanico“ erbrachte eine für eine solche Rarität großartige Auslastung von 97 Prozent. 

Die Gesamtauslastung der Festwochen 2015 betrug 99 Prozent. Festwochen-Geschäftsführer Markus Korselt: „Wir freuen uns sehr über diese außergewöhnlich erfolgreichen Festwochen und danken unserem wunderbaren Publikum und allen, die auf und hinter der Bühne zu diesem Erfolg beigetragen haben.“

Enorm war auch das Interesse der nationalen und internationalen Medien: 88 Journalistinnen und Journalisten aus 16 Nationen berichteten von den Innsbrucker Festwochen 2015. 61 Printmedien, 32 Online-Magazine und Blogs und 16 Radio- und TV-Stationen berichteten über die vom Publikum frenetisch beklatschten Opernaufführungen und Konzerte. Einen Aufschwung erlebten die Social-Media-Kanäle der Festwochen mit derzeit 2.715 „Gefällt mir“-Angaben auf der Facebook Seite und 2.785 Follower auf Twitter. Die Videos des Youtube-Channels wurden im Jahr 2015 bereits 37.137 Mal aufgerufen.    

Der 6. Internationale Gesangswettbewerb für Barockoper Pietro Antonio Cesti im Rahmen der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2015 brachte einen Sieg der französischen Altistin Anthea Pichanick und eine laut Alessandro De Marchi noch nie dagewesene Leistungsdichte und Qualität. Insgesamt stellten sich in diesem Jahr beim bedeutendsten Barockopern-Wettbewerb an vier Wettbewerbstagen 67 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 26 Nationen der internationalen Jury.

Zu den 8.588 BesucherInnen der Konzerte und Opern kamen zum Schlossfest Ambras und zu den Gratisveranstaltungen „Concerto mobile“, „Musik im Gottesdienst“, „Mit Pauken und Trompeten“  und den „Lunchkonzerten“ ca. 12.150 BesucherInnen und ZuhörerInnen. Die Gesamtbesucherzahl bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2015 beträgt damit rund 20.700 Personen. 

Die 40. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik beginnen am 19. Juli 2016 mit dem ersten Ambraser Schlosskonzert und enden am 26. August 2016. Der Kartenverkauf für die Saison 2016 beginnt im November 2015.

 

 

 

Anthea Pichanick, 29-jährige Altistin aus Frankreich, gewinnt den 6. Cesti-Gesangswettbewerb (Foto © Andrea Hadringer)


Französische Altistin gewinnt Cesti-Wettbewerb 2015

Anthea Pichanick siegte vor dem ukrainischen Countertenor Konstantin Derri und der italienischen Sopranistin Alice Rossi.

Die 29-jährige Französin Anthea Pichanick wurde von der Jury zur Siegerin des 6. Internationalen Gesangswettbewerbs für Barockoper Pietro Antonio Cesti gekürt. Sie erhielt Dienstag Abend im Finalkonzert den mit 4.000 Euro dotierten 1. Preis. Die Altistin überzeugte mit einer Arie des Flammiro aus der Oper „Le nozze in sogno“ von Pietro Antonio Cesti und mit der Arie „Sorge l’irato nembo“ des Orlando aus der Oper „Orlando Furioso“ von Antonio Vivaldi. Anthea Pichanick wurde auch mit dem Sonderpreis für einen Konzertauftritt im Rahmen des Alte-Musik-Festivals „Resonanzen“ im Wiener Konzerthaus ausgezeichnet. Die französische Sängerin ist Meisterschülerin von Montserrat Caballé.

Der mit 3.000 Euro dotierte 2. Preis ging an den 28-jährigen Countertenor Konstantin Derri aus der Ukraine, der im Finalkonzert nach einer Pflichtarie aus Cestis Oper die Arie „Venti, turbini, prestate“ des Rinaldo aus Händels gleichnamiger Oper zum Besten gab. Konstantin Derri war 2014 bereits Preisträger des Ferruccio Tagliavini-Wettbewerbs  in Italien und hat bereits Auftritte an Opernhäusern in Hamburg und Kiew hinter sich.

Den 3. Preis (2.000 Euro) erhielt die 23-jährige italienische Sopranistin Alice Rossi, die nach einer Arie aus Cestis Oper „Le nozze in sogno“ ebenfalls mit einer Arie aus „Rinaldo“ zu hören war, „Molto voglio, molto spero“ der Armida.

Die Wahl der Zuhörerinnen und Zuhörer im Tiroler Landeskonservatorium ging gleichfalls an eine italienische Sopranistin, die 28-jährige Arianna Venditelli, der der mit 1.000 Euro dotierte Publikumspreis verliehen wurde. Sie sang nach einer Arie aus der Cesti-Oper „Le nozze in sogno“ die Arie „Non potrà dirmi ingrata“ der Angelica aus Händels Oper „Orlando“. Der 27-jährige Bassbariton Matteo Loi wurde mit zwei Sonderpreisen ausgezeichnet: einem Engagement für eine Opernproduktion am Theater an der Wien und für ein Konzert des Festivals „Winter in Schwetzingen“. 

„Die Entscheidung für die Jury war noch nie so schwierig wie heuer“, stellte Alessandro De Marchi, der künstlerische Leiter der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik und Initiator des Wettbewerbs, nach dem spannenden Wettsingen fest, „denn das Niveau des Wettbewerbs war extrem hoch und die Kanditaten lagen mit ihren Leistungen ganz eng beisammen.“ Auch Jury-Vorsitzender Sebastian Schwarz sprach „von einer enorm ausgeglichenen Leistungsdichte des Teilnehmerfeldes. Das hohe Niveau war auf wesentlich mehr Sängerinnen und Sänger ausgebreitet als etwa im vergangenen Jahr.“

Insgesamt stellten sich in diesem Jahr beim bedeutendsten Barockopern-Wettbewerb an vier Wettbewerbstagen 67 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 26 Nationen der internationalen Jury. Der Jury gehörten neben Schwarz und De Marchi auch Sophie de Lint, die Direktorin der Zürcher Oper, Sophie Joyce von der English National Opera, die beiden deutschen Operndirektoren Heribert Germeshausen (Heidelberg) und Michael  Fichtenholz (Staatstheater Karlsruhe und Händel-Festspiele Karlsruhe), Pål Moe (Bayerische Staatsoper München und Glyndebourne Opera Festival) und der Künstlermanager Eitan Sorek an.

Nicht nur großartige Stimmen wurden im Finalkonzert entdeckt, sondern auch eine neue Oper des einstigen Innsbrucker Hofmusikers Pietro Antonio Cesti. Die komische Oper „Le nozze in sogno“, aus der alle Wettbewerbskanditaten Ausschnitte sangen, wurde erst vor kurzem von italienischen Musikforschern zweifelsfrei als Werk Cestis erkannt. Bisher galt der Komponist des Werkes als anonym. „Le nozze in sogno“ wird im kommenden Jahr in Innsbruck als BAROCKOPER:JUNG aufgeführt, deshalb befanden sich Arien daraus bereits heuer im Pflichtprogramm des Wettbewerbs. Aus dem Teilnehmerfeld des Wettbewerbs wird im kommenden Jahr die Besetzung der „neuen“ Cesti-Oper gebildet.

Alessandro De Marchi gab während der Preisverleihung auch bereits das Pflichtprogramm für den 7. Cesti-Wettbewerb im kommenden Sommer bekannt: die deutsch-italienisch-sprachige Barockoper „Octavia“ des Hamburger Opernkapellmeisters Reinhard Keiser, die dann 2017 als BAROCKOPER:JUNG aufgeführt werden wird.

 

 

 

 

Echo Klassik 2015 für Künstler der Innsbrucker Festwochen

 Valer Sabadus, Alessandro De Marchi und die Hofkapelle München erhielten den Preis für die beste Opernarien-Einspielung des Jahres

Gleich vier Musiker, die heuer bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik auftraten, sowie ein diesjähriges Festwochen-Ensemble wurden am Montag als Preisträger des Jahres 2015 der angesehenen Auszeichnung „ECHO Klassik“ für die besten CD-Einspielungen bekannt gegeben: Alessandro De Marchi, Valer Sabadus, Dorothee Oberlinger und Pablo Heras Casado sowie die Hofkapelle München. 

Für die beste Opernarien-Einspielung des Jahres 2015 wurden der Countertenor Valer Sabadus, der Dirigent und künstlerische Leiter der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, Alessandro De Marchi, und die Hofkapelle München mit dem deutschen Schallplattenpreis „ECHO Klassik“ ausgezeichnet. Den Preis erhielten die Festwochenkünstler für das Album „Le belle immagini“. Valer Sabadus singt unter der Leitung von De Marchi und begleitet von der Hofkapelle München Arien aus Opern von Christoph Willibald Gluck und Antonio Sacchini.

Mehrere der auf der CD enthaltenen Arien durfte das Innsbrucker Festwochenpublikum im diesjährigen Sommer auch live im Riesensaal der Hofburg beim Konzert „Gala für Maria Theresia“ mit dem preisgekrönten Sänger und der Hofkapelle München hören, darunter die Arie „Le belle imagini“. Valer Sabadus war auch in den vergangenen Innsbrucker Festwochen mehrfach zu hören und zählt zu den absoluten Publikumslieblingen des Festivals. Auch die Hofkapelle München war vor ihrem diesjährigen Konzert bereits 2014 mit einem Kammerkonzert zu hören.

„Der Preis ist eine hochkarätige Bestätigung für die großartige Arbeit, die Alessandro De Marchi bei der Erschließung von Opernmusik in historischer Aufführungspraxis leistet“, freut sich Festwochen-Geschäftsführer Markus Korselt über die Auszeichnung des künstlerischen Leiters der Festwochen. 

Zwei weitere Künstler, die heuer bei den Festwochen zu erleben waren, wurden mit einem „ECHO Klassik“ ausgezeichnet, wie das Wettbewerbskomitee am 24. August bekannt gab. Die Blockflötistin Dorothee Oberlinger erhielt den Preis für ihre Aufnahme „The passion of Musick“ in der Kategorie „Kammermusikeinspielung 17. und 18. Jahrhundert“. Dorothee Oberlinger war heuer in Innsbruck im Spanischen Saal von Schloss Ambras in dem Konzert „Klingende Porträts“ zu hören.

Der Dirigent Pablo Heras-Casado, der vor wenigen Tagen bei den Festwochen in der Stiftskirche Wilten das Balthasar-Neumann-Ensemble und den Balthasar-Neumann-Chor mit Motetten nach Texten aus dem Hohelied der Liebe dirigierte, erhielt den Preis in der Kategorie „Konzerteinspielung des Jahres“ für die von ihm dirigierte Aufnahme von Schumanns Violinkonzert in historischer Aufführungspraxis mit der Geigerin Isabelle Faust und dem Freiburger Barockorchester. 

Die Preisverleihung findet 18. Oktober im Konzerthaus Berlin statt.

 

 

 

 

 

Tierischer Spaß auf Ambras

8.000 Besucherinnen und Besucher beim 21. Schlossfest Ambras! Das SCHLOSSFEST AMBRAS war auch heuer wieder ein Riesenerfolg. Das Renaissance-Fest zog die Massen an: 8.000 ließen sich nicht von der unsicheren Wettersituation abhalten und strömten neugierig zum Schloss.

Das größte Kulturfest Tirols, von den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik und Schloss Ambras Innsbruck gemeinsam ins Leben gerufen, startete unter dem Motto »Tiere« erfolgreich ins bereits dritte Jahrzehnt. Viel Prominenz mit Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer an der Spitze und zahlreichen Ehrengästen aus Politik und Wirtschaft eröffneten gemeinsam mit der farbenfrohen Künstlerschar das Schlossfest Ambras 2015. Wie in der Renaissance wurde der fulminante Festumzug angeführt von Fanfarenbläsern und von einem Elefanten und einem Rhinozeros, welche die LEA Produktionschule Wörgl als zwei riesige Exoten aus Holz gebastelt hatten. Das Gesamtbild war festlich wie immer: prächtige, originalgetreu nach Gemälden der Ambraser Porträtgalerie geschneiderte Kostüme und viele verkleidete Besucherinnen und Besucher! Im Anschluss kam es zwar zu einem 10-minütigen Regenguss, der aber die Freude nicht trüben konnte.

Bei der Aufführung von »Circus unARTiq«, dem phantastischen LuftschlossTheater stockte dem Publikum der Atem. Das aus Holz gebaute Riesenlaufrad und andere historische Spielsachen begeisterte Jung und Alt. Kinder fanden an zahlreichen Bastelstationen Swarovski-Kristalle, Naturmaterialien, Gips oder Papier zum Tier-Falten vor. Viele Kinder nahmen voll Begeisterung an der Tier-Kostümschau des Hauptsponors IKB teil. Pill und Pankratz, die singenden Possenreißer, eroberten Lachstürme. Die Konzerte der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik im Spanischen Saal und in der St. Nikolauskapelle ließen mit Tierklängen aufhorchen. Spezialführungen durch das älteste Museum der Welt und seine Sonderausstellung »Echt tierisch!« machten staunen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Imposant, toll, grandios

 

Begeistertes Medienecho auf „Il Germanico“: „Man kann sich nicht satthören“

 

Die Premiere von Porporas Oper „Il Germanico“ löste begeisterte Reaktionen nicht nur beim Publikum, sondern auch bei den Berichterstattern von Printmedien und Rundfunksendern aus.

So schrieb die Zeitung „Der Standard“, Wien: „Was die Barockoper anbelangt, so ist oft schon die Umsetzung der Partitur ein schöpferischer Akt: Deren skizzenhafte Anlage will vom Profi zum prachtvollen Gemälde einer orchestralen Umsetzung erweitert werden. Dies glückt Alessandro De Marchi bei Nicola Porporas Oper ,Il Germanico‘ auf einzigartige Weise. Herausragend, mit welcher Präzision, aber auch mit welcher Sinnlichkeit und Fantasie De Marchi und die 32-köpfige Academia Montis Regalis die musikalischen Vorgänge bei der Premiere des Fundstücks im Landestheater schildern: mal in Sturm und Braus, mal glühend, mal delikat und immer differenziert. Man kann sich in den fünf Stunden der Aufführung nicht satthören. Toll.“

 

„Fulminant inszeniert und gesungen“, fasste die „Stuttgarter Zeitung“ ihren Bericht über die die Aufführung zusammen: „Die erste szenische Wiederaufführung von Porporas kompletter Oper ,Il Germanico‘ seit ihrer Uraufführung 1732 in Rom riss im Tiroler Landestheater das Premierenpublikum zu Beifallsstürmen hin. Die mit Pausen knapp fünfstündige Produktion kann als Meilenstein auf dem Weg zur Rehabilitation eines Komponisten gelten, dessen Musikdramen sich vor denen Händels nicht zu verstecken brauchen.“

 

Die „Tiroler Tageszeitung“ schrieb unter dem Titel „Das Sängerfest der großen Gefühle“: „Mit Entdeckerleidenschaft, Fachkenntnis und einem grandiosen Ensemble machte Alessandro De Marchi Porporas Oper ,Il Germanico‘ zum Festwochen-Ereignis. Patricia Bardon hat eine der heute seltenen, wirklichen Altstimmen, unverwechselbar im Timbre und-noch rarer-flexibel genug für Germanico, den römischen Befehlshaber in Germanien. Sein Widersacher, der ziemlich cholerische germanische Heerführer Arminio, hat in dem Countertenor David Hansen eine mitreißende Verkörperung. Technisch perfekt verfügt er innerhalb seines besonders weiten Stimmumfangs über ein weites Ausdruckspektrum, das sofort den Hörer erreicht, nie schrill, nie gepresst, mit erfülltem, dosiertem Pathos. Hagen Matzeits Counter kennt die richtigen Farben für die komische Liebhaberrolle des römischen Cecina, Tenor Carlo Vincenzo Allemano lebt als Segeste auf in seiner Musikalität und Interpretationssicherheit. Brillant im verzierten Sopranfach in der Innigkeit ebenso wie in der Wut ist Klara Ek als Arminios standhafte Gattin Rosmonda, lebhaft in ihrer Koketterie und glaubhaft in ihrer Sehnsucht die Ersinda der Mezzosopranistin Emilie Renard, die 2013 den Cesti-Wettbewerb gewonnen hat.“

 

Für die Tageszeitung „Die Presse“, Wien „imponiert das Ergebnis in der Gesamtwirkung nicht nur wegen des hier federnd eleganten, dort wieder dramatisch zupackenden Spiels der Academia Montis Regalis, sondern wohl auch deshalb, weil die langen Rezitative den zwar konfliktreichen, aber zugleich etwas handlungsarmen Inhalt besser stützen, als wenn sie auf bloße Scharniere zwischen den Arien zusammengestrichen wären. Und stimmlich, weil die Besetzung unerschrocken und hochvirtuos agiert - Klara Ek als betörend sinnlich zürnende und leidende Rosmonda, Emilie Renard als ihre leichtherzigere Schwester Ersinda und Patricia Bardon, die dem Germanico mit ihrer fülligen Tiefe latente Gefährlichkeit verleiht.“

Für den Klassiksender des Bayerischen Rundfunks beweisen „die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik mit dieser Wiederentdeckung, dass es durchaus noch andere Komponisten-Götter neben Georg Friedrich Händel gibt, die es wert sind, sie auferstehen zu lassen. Man muss sich nur die Arbeit machen, das Material auszugraben. Alessandro De Marchi hat sich für ,Il Germanico‘ den Jubel bei der Premiere verdient“, stellte Franziska Stürz fest und gab sich begeistert: „Was für eine gesangliche Leistung aller Beteiligten! Alessandro de Marchi schafft trotz der epischen Länge des Stückes mit seiner Academia Montis Regalis eine ungemein lebendige, musikalisch packende und stetig pulsierende Wiederbelebung des vergessenen Stückes. Patricia Bardon verzaubert mit ihrem tiefen Mezzo und wirkt in keinem Augenblick zu weiblich. Ein perfekter Gegenspieler für David Hansen mit seiner hochvirtuosen Countertenorstimme.  Klara Eks Rosmonda serviert makellose Koloraturen ohne zu ermüden.  Es wird gegurrt, geseufzt, geheult, gelacht mit schier unerschöpflicher Kraft.“


ORF.at 
berichtete von „einer Kaskade an gesanglichen und orchestralen Kabinettstückchen, die ihresgleichen kaum finden. Sänger und Musiker gingen dabei an ihre Leistungsgrenze. Beeindruckend schmückten die sechs Bühnendarsteller Rezitative und Arien mit kunstvollen Koloraturen, stimmakrobatischen Schnörkeln und improvisierten Kapriolen aus. Beachtliche Tonhöhen, effektvolle Vibratos und nicht enden wollende Triller trugen das Ihre dazu bei, allen Stimmen Glanz und Durchdringungskraft zu verleihen. Das Innsbrucker Publikum war begeistert und belohnte nicht nur jede Arie mit Szenenapplaus und Bravorufen, sondern zuguterletzt den ganzen Abend mit Standing Ovations.“

 

 

 

 

 

 

Musik als Sprache gegen Gewalt   

Eröffnung der 39. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik durch Bundespräsident Heinz Fischer

Bundespräsident Heinz Fischer eröffnete am Mittwoch, den 12. August, die 39. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik. Das österreichische Staatsoberhaupt zitierte am Beginn seiner Eröffnungsrede im Spanischen Saal von Schloss Ambras Innsbruck die Schlussworte aus Goethes „Faust“, mit denen die Festwochen in variierter Form ihr diesjähriges Motto „Stylus Phantasticus“ beschreiben: Das Unerwartete, hier wird’s Ereignis. Heinz Fischer hob die Innsbrucker Festwochen als Ort der Wiederentdeckungen hervor, bei denen tatsächlich das Unerwartete zu künstlerischen Ereignissen werde. Bei den Festwochen, die musikalisch heute Abend mit Nicola Porporas Oper „Il Germanico“ unter der Leitung von Alessandro De Marchi und mit Patricia Bardon in der Titelpartie eröffnet werden, stehen bis zum 28. August in acht Barockopernaufführungen, elf Konzerten und dem Gesangswettbewerb für Barockoper viele Wiederentdeckungen und unerwartete musikalische Ereignisse bevor.

Der Bundespräsident verwies auf die Musik als Sprache, die weltweit verbinde und verstanden werde. Dies sei besonders in einer Zeit von Bedeutung, in der Gewalt durch Sprache immer mehr zunehme. In Zusammenhang mit der aktuellen Asyldiskussion sei festzustellen, dass vor allem das Internet immer häufiger zum Ort hasserfüllter Meinungsäußerung werde. Heinz Fischer forderte Solidarität gegen diese und jede andere Form von Aggression und Hass.

Ein Zeichen von Musik als Sprache der Verständigung wurde mit dem Überraschungsauftritt von zwei syrischen Musikern und Asylwerbern gesetzt. Hassan Ibrahim sang ein altes kurdisches Lied und begleitete sich auf dem Zupfinstrument Tanbur, Mahmut Al Kaoqa spielte dazu die Schellentrommel Reqq. Alessandro De Marchi bot zwei abendländische Beispiele von Musik in Verbindung mit dem improvisatorischen Moment: Sätze aus einer Sonate von Jean-Fery Rebel gemeinsam mit dem Geiger Patrick Cohën-Akenine und den Jazzsong „My Funny Valentine“ von Rodgers/Hart mit dem Operntenor Jeffrey Francis. Patrick Cohën-Akenine präsentierte außerdem mit dem Ensemble der BAROCKOPER:JUNG Ausschnitte aus der Oper „Armide“ von Jean-Baptiste Lully.

Auf „Armide“ ging Tirols Kulturlandesrätin Beate Palfrader in ihrer Begrüßungsrede ein. Mit dieser Oper wurde am Ende des 17. Jahrhunderts, das voller Kriege und Gewalt war, die Liebe beschworen. Wie schön wäre es, so Palfrader, könnten wir uns auch heute magischer Kräfte bedienen, um Feinde zu Freunden zu machen. Die Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer stellte das Motto der Festwochen, mit dem die Freiheit der musikalischen Ausführung betont werde, als Kontrast den Grenzen Europas gegenüber, an denen täglich Tausende Flüchtlinge stranden, deren unbändiger Lebensdrang nicht von Militär, Zäunen und Hunden aufgehalten werden könne. Tirols Landeshauptmann Günther Platter schloss daran thematisch mit der Ankündigung an, dass Tirol die Quote in der Aufnahme von Flüchtlingen zu hundert Prozent erfüllen werde. Platter zeigte sich dankbar für das Motto „Stylus Phantasticus“, mit dem das wichtige Thema der Freiheit thematisiert werde.

Der Geschäftsführer der Festwochen, Markus Korselt, Regisseur Alexander Schulin und Alessandro De Marchi schnitten in einem Podiumsgespräch die brisanten Themen der Oper „Il Germanico“ wie Unterdrückung und Aussöhnung an. Der Live-Drawing-Künstler Stefan Pertschi begleitete die Eröffnung mit live gemalten Bildern.

 

 

 

Fiesta Española - Concerto Mobile
Die Festwochen der Alten Musik erobern mit dem Theaterwagen die Stadt!

Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik brachten mit einem Concerto Mobile unter freiem Himmel und bei freiem Eintritt spanische Musik des Goldenen Jahrhunderts in die Stadt. Der rote Vorhang des Theaterwagens lüftete sich heuer zum ersten Mal. An ganz verschiedenen Plätzen in Innsbruck trat das spanische Ensembles Laberintos Ingeniosos auf und begeisterte das Publikum mit spanischer Musik und spanischem Tanz.

Der mobile Theaterwagen kam zu den Menschen in der Stadt! Marktplatz, Goldenes Dachl, Walterpark, Maria-Theresien-Straße, DEZ und Olympischen Dorf – die Aufführungsorte waren über ganz Innsbruck verteilt. Denn das Ziel war ja auch, Barockmusik einem großen Publikum näherzubringen und so jedermann für Alte Musik zu begeistern. Und das ist gelungen! Der Künstlerische Leiter der Festwochen, Alessandro De Marchi, freut sich, dass mit dem Concerto Mobile barocke Musik so vielen Menschen zugänglich gemacht wurde. Die Passantinnen und Passanten konnten mit einer Tänzerin, einer Sängerin, drei Gitarristen und einem Perkussionisten des spanischen Ensembles Laberintos Ingeniosos eine sommerliche „Fiesta Española“ feiern. 

Die Raiffeisen-Bankengruppe Tirol unterstützte als wichtiger Kulturpartner das Concerto Mobile der Festwochen. Die Raiffeisenlandesbank Tirol ist bereits seit 15 Jahren Partner der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik und war immer daran interessiert, die Partnerschaft lebendig und offen zu gestalten. Das neue Format „Concerto Mobile“ trifft somit voll ins Schwarze, denn „mit dem 'Concerto Mobile' gelangt die zauberhafte Barockmusik des heurigen Festwochenprogramms aus dem Konzertsaal an unterschiedliche öffentliche Plätze Innsbrucks. Damit kommen aber wohl auch Menschen mit der Alten Musik in Berührung, die diese vielleicht noch nicht kennen oder sie schon lange nicht mehr gehört haben.“ so Hannes Schmid, Vorstandssprecher der RLB Tirol AG. Außerdem, so Schmid weiter, „ist Musik eine universelle Sprache, die Menschen und Kulturen miteinander verbinden kann. Als Raiffeisenlandesbank Tirol wollen wir Menschen zusammenbringen, die Musik leben und lieben.“

 

 

 

 

Introitus: Stimmungsvoller Auftakt der
Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2015

Erstmals wurden die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik von einem Konzert mit geistlicher Musik eingeleitet. In der Stiftskirche Stams war der Arnold Schoenberg Chor unter der Leitung von Erwin Ortner mit einem außergewöhnlichen Programm zu hören: ein stimmungsvoller Introitus mit Psalmen von Marc-Antoine Charpentier, einem Oratorium von Giacomo Carissimi und Werken von dem einstigen Münchner und Wiener Hofmusiker Johann Caspar Kerll.

Der Introitus in der Stiftskirche Stams soll auch in den nächsten Jahren als spiritueller Auftakt die Innsbrucker Festwochen einleiten. Die erste Ausgabe wurde vom Festwochenpublikum mit großer Zustimmung angenommen. Das ausverkaufte Konzert fand viel Anklang.

Der Arnold Schoenberg Chor überraschte die Hörerinnen und Hörer mit einem für ihn ungewöhnlichen Repertoire aus dem 17. Jahrhundert. Das Oratorium „Historia Jonae Prophetae“ von Giacomo Carissimi, die Psalmen „Nisi Dominus“ und „Lauda Jerusalem“ sowie „Annuntiate superi“ von dem französischen Komponisten Marc-Antoine Charpentier und das Magnificat und das elfstimmige „Laudate pueri“ von Johann Kaspar Kerll verbreiteten eine prachtvolle barocke Stimmung. Stiftsorganist Martin Anderl spielte auch zwei Kerll zugeschriebene Orgelstücke aus dem Stamser Musikarchiv.

Ein interessanter Aspekt des Programms war die Gegenüberstellung von Carissimi und seiner beiden Schüler Kerll und Charpentier.

 

 

 

 

Vier ausverkaufte Schlosskonzerte auf Schloss Ambras Innsbruck 

Die diesjährigen Ambraser Schlosskonzerte sind gestern Dienstag mit einem Kammerkonzert im „Stylus Phantasticus“ zu Ende gegangen. Alle vier Konzerte waren in diesem Jahr ausverkauft. Das Publikum feierte im ersten Konzert den venezianischen Stargeiger Giuliano Carmignola, der ein leidenschaftliches venezianisch-neapolitanisches Programm spielte. Im zweiten Konzert verzauberten die Tiroler Harfenistin Margret Köll, die Sopranistin Roberta Invernizzi und die Gambistin Rebeka Rusó mit frühbarocken Kantaten aus Rom. Die österreichische Sopranistin Anna Prohaska sang im dritten diesjährigen Schlosskonzert die Premiere ihres neuen Programms „Lachrimae“, mit dem sie an den Folgetagen bei den Salzburger Festspielen, in London und in Berlin auftrat. Der frenetische Jubel der Hörerschaft galt nicht nur der Sängerin, sondern auch dem englischen Ensemble Arcangelo, das sich als große Entdeckung herausstellte.

Im letzten Konzert hoben die Blockflötistin Dorothee Oberlinger, der Cembalist Florian Birsak, der Geiger Hiro Kurosaki und der Violoncellist Marco Testori kammermusikalische Schätze von einstigen Innsbrucker Hofkomponisten und weiteren Meistern des Barock.

Der Geschäftsführer, Markus Korselt, freut sich über den regen Anklang, den die am längsten bestehende Konzertreihe für Alte Musik auch heuer wieder fand: „Die Ambraser Schlosskonzerte sind eine Institution in der Tiroler Kulturlandschaft. Wir freuen uns, dass wir auch in diesem Jahr unserem Publikum internationale wie auch Tiroler Stars präsentieren konnten. Ein fantastischer Auftakt für die Festwochen!“

 

 

 

 

 

Alte Musik – junge Musikbegeisterte

 

Der bekannte Innsbrucker Instrumentenbauer Rudolf Tutz vermittelte einer begeisterten Kinderschar sein Wissen über Blasinstrumente. Immerhin ist er schon der dritte Rudolf Tutz und wie sein Vater, Großvater und Urgroßvater Instrumentenbauer.

 

Durch seine jahrzehntelange Arbeit mit historischen Musikinstrumenten entwickelte er sich zu einem internationalen Experten, wenn es um die Erforschung, den Nachbau und die Weiterentwicklung historischer Blasinstrumente geht. Dank seiner Erfahrung und Expertise ist er einer der gefragtesten Instrumentenbauer weltweit, vor allem wenn es sich um historische Musikinstrumente handelt. Auch die Künstlerinnen und Künstler, die bei den Festwochen auftreten, schätzen den Experten des Instrumentenbaus für Alte Musik und die Qualität seiner Instrumente sehr. Ebenfalls wurde Rudolf Tutz 2004 vom Land Tirol für seine Verdienste um die Alte Musik mit dem „Jakob-Stainer-Preis“ ausgezeichnet.

 

Mit seiner Freude an und seinem Wissen um alte Instrumente und der richtigen Technik des Instrumentenbaus und des verwendeten Holzes steckte Rudolf Tutz auch die musikbegeisterten Kinder an. Obwohl viele von ihnen schon selber Instrumente spielen, taten sie sich anfangs schwer die historischen Instrumenten zum Klingen zu bringen. Die bedeutende Flötistin Linde Brunmayr-Tutz und Ehefrau des „Klangmeisters" Rudolf Tutz war ebenfalls mit an Bord und motivierte und führte vor, welch schöner Klang den historischen Instrumenten entlockt werden kann. Die Kinder machten sich voller Eifer und Puste ans Werk und erprobten die außergewöhnlichen Instrumente mit Bravour!

 

 

 

 

 

 

 

Die Welt der Alten Musik trauert um Alan Curtis

Innsbrucker Festwochen der Alten Musik widmen das nächste Ambraser Schlosskonzert am 23. 7. 2015 und die BAROCKOPER:JUNG 2016 dem Andenken von einem ihrer treuesten Künstler.

Der amerikanische Cembalist, Dirigent und Musikforscher Alan Curtis ist am 15. Juli 2015 völlig unerwartet im Alter von 80 Jahren in seiner Wahlheimatstadt Florenz gestorben. Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik verlieren mit ihm einen ihrer treuesten Künstler und Musiker.

Bis zuletzt war Alan Curtis für die Festwochen tätig. Er bereitete für die Jubiläums-Festwochen 2016 (40 Jahre) die Oper „Le nozze in sogno“ vor, die erst vor kurzem als Werk des einstigen Innsbrucker Hofmusikers Pietro Antonio Cesti  erkannt wurde. Alan Curtis hätte das Werk als Produktion der BAROCKOPER:JUNG 2016 dirigieren sollen. Deshalb war er auch heuer als Jurymitglied im Internationalen Cesti-Gesangwettbewerb in Innsbruck vorgesehen, um auch Sängerinnen und Sänger für die nächstjährige Opernproduktion zu entdecken. Alan Curtis hat für dieses Jahr noch das komplette Wettbewerbsprogramm aus der Oper „Le nozze in sogno“ vorbereitet. Der Künstlerische Leiter der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, Alessandro De Marchi, zeigt sich tief erschüttert über den plötzlichen Tod seines Kollegen und Vorbildes. De Marchi und der Geschäftsführer der Festwochen, Markus Korselt, betonen, dass sie „Alan Curtis‘ Opernentdeckung von Cesti unbedingt im Programm 2016 behalten wollen und die Produktion dem Andenken an diesen unvergleichlichen Musiker widmen werden“.

Alan Curtis trat bereits im allerersten Konzert der Innsbrucker Festwochen auf. Am 22. August 1976 spielte er Cembalo in einem Kammerkonzert gemeinsam mit René Jacobs (Countertenor), Lucy van Dael (Barockvioline) und Wieland Kuijken (Viola da Gamba).  Auf dem Programm standen damals auch drei Arien aus Opern von Georg Friedrich Händel. Alan Curtis hat besonders in der Erforschung und praktischen Aufführung von Opern Händels Unschätzbares geleistet. So war er der erste, der die historische Besetzung des Händelschen Opernorchesters rekonstruierte. Curtis‘ Einsatz ist maßgeblich die Renaissance von Händel als Opernkomponist zu verdanken. Aber auch der venezianischen Oper von Monteverdi bis Cesti galt Curtis‘ unermüdlicher Einsatz, darüber hinaus leitete er auch viele weitere Werke der Barockoper. Bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik dirigierte Alan Curtis 1980 die erste Innsbrucker Produktion von Monteverdis „L’incoronazione die Poppea“ mit dem von Curtis gegründeten Originalklangensemble Il Complesso Barocco. 1981 entdeckte er in Innsbruck für die Welt der Alten Musik die Oper „Il Sant’Alessio“ von Stefano Landi. 1982 brachte Curtis Händels „Ariodante“ bei den Festwochen heraus. Dies war seine erste Opernproduktion Händels in Innsbruck. Das Oratorium „Susanna“ von Händel dirigierte Curtis bereits bei den Festwochen 1979.

1983 betreute Alan Curtis bei den Festwochen die Wiederentdeckung von Cestis Oper „Il Tito“ und verhalf dem Werk zu einem sensationellen Erfolg. Vier Jahre später brachte er mit „Semiramide“ ein weiteres Opernwerk Cestis auf die Innsbrucker Festwochenbühne. In den Jahren dazwischen leitete Curtis Händels „Rodrigo“ (1984) und Glucks „Armide“ (1985). 1992 ließ Curtis eine weitere, Aufsehen erregende Wiederentdeckung folgen: „San Giovanni Battista“ von Alessandro Stradella. Damals dirigierte Curtis das Ensemble I Sonatori de la Gioiosa Marca.  

Noch vor den Innsbrucker Festwochen trat Alan Curtis mehrfach bei den Ambraser Schlosskonzerten in Erscheinung, in deren Rahmen er 1973, 1974 und 1975 als Cembalist zu hören war. Curtis war der ersten Cembalist im 20. Jahrhundert, der Werke von Louis Couperin in originaler Aufführungspraxis spielte. Die Festwochen bewahren Curtis auch als Dozent bei der Sommerakademie für Alte Musik in dankbarer Erinnerung.

 

Alan Curtis, der 1934 in Michigan/USA geboren wurde, war ein Schüler von Gustav Leonhardt am Sweelinck Konservatorium Amsterdam. Über die Orgelmusik von Sweelinck dissertierte Curtis 1960 an der University of Illinois. 

 

 

 

Vielversprechender Auftakt zu den Innsbrucker Festwochen 2015

Gestern Abend wurden die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik mit dem ersten Ambraser Schlosskonzert „Carmignola in Neapel“ im Spanischen Saal feierlich eröffnet. Fanden die Proben zu Mittag dank sommerlichen Temperaturen noch ganz leger in Short und mit Sonnenbrille statt, traten die vier Musiker abends gewohnt formell auf.

Doch die Musik vermittelte mediterrane Leichtigkeit und Verspieltheit, ganz passend zum lauen Sommerabend. Das Quartett mit dem venezianischen Violinvirtuosen Giuliano Carmignola (Violine), Daniele Bovo (Violoncello), Ivano Zanenghi (Laute) und Riccardo Doni (Cembalo) spielten ein Programm mit kostbaren neapolitanischen und venezianischen Kammermusikstücken von Propora bis Vivaldi. Die Zuhörerinnen und Zuhörer, unter ihnen Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer erklatschten noch vier Zugaben.

Geschäftsführer Markus Korselt freut sich über das gelungene Ambraser Schlosskonzert: „Unser erstes Schlosskonzert war schon mal ausverkauft – ich nehme die Begeisterung des Publikums als gutes Omen für den kommenden Sommer.

 

 

 

 

 

 

 

Hunger auf Kunst & Kultur

„Auch Menschen mit finanziellen Engpässen haben ein Recht auf und ein Bedürfnis nach Kunst & Kultur.“ Aus dieser Überzeugung wurde 2003 in Wien die Aktion Hunger auf Kunst und Kultur ins Leben gerufen. Mit dem Kulturpass erhalten sozial benachteiligte Menschen freien Eintritt in zahlreiche kulturelle Einrichtungen. Inzwischen gibt es die Initiative fast im gesamten Bundesgebiet, seit 2008 auch in Tirol. Koordiniert wird die Aktion in Tirol vom Verein unicum:mensch (www.unicummensch.org).

 Die Innsbrucker Festwochen freuen sich, auch dieses Jahr wieder einen Beitrag zu dieser tollen Aktion leisten zu können. Geschäftsführer Markus Korselt übergab  Teresa Waas von unicum:mensch ein umfassendes Kontingent an Freikarten für die Opern und Konzerte der diesjährigen Festwochen. 

 Mehr Infos zum Kulturpass und einen Kontakt für Interessierte gibt es hier. 

 

   

Titelseite Toccata-Alte Musik aktuell Nr. 1/2015

Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2015

Alessandro De Marchi im Interview mit Toccata-Alte Musik aktuell Ausgabe Nr. 1/2015

 

Herr De Marchi, wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich der Alten Musik zu widmen und ein eigenes Barockorchester zu gründen?
Das sind zwei verschiedene Punkte. Zur Alten Musik bin ich wirklich durch Zufall gekommen. Ich war damals schon Student am Konservatorium in Rom und ein Lehrer von mir, mein Kompositionslehrer Domenico Bartolucci, war der Leiter des Chores der Sixtinischen Kapelle. Das heißt, er kam auch aus einer sehr alten Schule, die eigentlich direkt von Palestrina ausging, über viele Generationen. Und er lehrte uns unter anderem, nicht nur Kompositionen aufzuschreiben, sondern auch Harmonie zu improvisieren. Das bedeutet, dass ich schon mit 16 Jahren in der Lage war, jede Art von beziffertem Bass zu spielen. Was ich damals allerdings noch nicht wusste, war, wofür sowas gut ist..., das habe ich erst später erfahren.
Eines Tages habe ich dann in der Zeitung gelesen, dass so ein verrückter argentinischer Dirigent jeden Sonntag in einer Kirche in Rom ein Concerto prima vista organisierte - vom Blatt gespielt also. Es gab da einen Termin, irgendwie um 17 Uhr oder so, zu dem er geschaut hat, wer gekommen ist und ein entsprechendes Programm ausgesucht hat. Dann gab es eine kurze Probe von zehn Minuten und anschließend einfach das Konzert. Als ich da nun ankam fragte er mich, was ich spielen könne und ich sagte, ich sei Organist. Da fragte er, ob ich bezifferten Bass spielen könne, und ich bejahte natürlich. Er war begeistert und meinte, das könne ja nicht wahr sein, das sei ja großartig - und das war also mein erstes Alte Musik-Konzert!
Dieser Mann hat dann mein Talent erkannt und mich eingeladen, im Centro Italiano di Musica Antiqua - damals das einzige Barockorchester Italiens - mitzuspielen. Und da habe ich in den folgenden Jahren eine ganze Reihe von jungen Musikern kennengelernt, wie Fabio Biondi, Rinaldo Alessandrini, Mark Minkowski - als Fagottist noch - und viele andere, die sich inzwischen einen Namen in der Szene gemacht haben. Das waren sehr schöne Jahre und mit diesem Orchester, das jeweils etwa zur Hälfte aus Amateurmusikern und Profis bestand, habe ich meine ersten Erfahrungen mit Alter Musik gemacht.

Haben Sie dann auch noch etwas in diese Richtung studiert?
Ich habe am Konservatorium weitergemacht, parallel aber auch immer Alte Musik und Jazz gespielt - ja, damals, mit 18 oder 20 Jahren hatte ich noch genug Energie dafür...! -, aber auch in Basel an der Schola Cantorum studiert. Und dann kam auch schon mein erstes Ensemble, Il Teatro Armonico, das es jetzt gar nicht mehr gibt. Mit dieser Gruppe haben wir viele Plattenaufnahmen gemacht, viele Konzerte gespielt. Etwas später wurde ich eingeladen, eine Masterclass für Barockorchester in der Nähe von Turin, in Mondovì, zu geben. In Turin bestand damals schon ein Alte Musik-Zentrum, die Academia Montis Regalis - ein Ensemble also, das nicht von mir gegründet wurde, sondern von anderen Musikern, und es war damals auch kein festes Orchester. Vielmehr kamen jedes Jahr andere Musiker zusammen, und es wurde jeweils eine Reihe von Dozenten angefragt, um mit dem Orchester zu arbeiten. Ja, und einer dieser Lehrer war eben ich - in sehr guter Gesellschaft übrigens, zusammen mit Jordi Savall, Ton Koopman, Chiara Banchini, mit allen, die damals einen Namen hatten in dieser Branche. Dieses Orchester wurde mit den Jahren immer besser und lud mich auch immer wieder ein, bis ich 1998 dann zum festen Leiter berufen wurde. Und irgendwann haben wir beschlossen, zwei Orchester daraus zu machen: Wir haben ein professionelles Barockorchester gegründet - die heutige Academia Montis Regalis -, und parallel arbeiten wir jedes Jahr immer noch mit einem Jugendbarockorchester, das dann immer wieder aus anderen Leuten besteht. Und das ist fantastisch: Da kommen immer wieder frische, junge Musiker, die dabei viel lernen, und wir haben immer die Möglichkeit, einige von ihnen auch für größere Produktionen einzuladen, und das ist natürlich für beide Seiten ein echter Gewinn. Im vergangenen Jahr stammte bei unseren Projekten bei den Innsbrucker Festspielen die Hälfte der Streicher aus dem Jugendorchester, und das ist ein unglaublicher Reichtum, denn wir haben einerseits die Erfahrung und Souveränität der älteren Musiker und andererseits diese wahnsinnige Energie von den jungen - und das ist immer sehr, sehr schön.

Und woher rührt der Name Montis Regalis?
Das ist einfach der alte Name der Stadt Mondovì, den wir da verwendet haben.

Was, würden Sie sagen, ist Ihr persönlicher Schwerpunkt als Musiker? Haben Sie eine Art Hauptbeschäftigung?
Hauptbeschäftigung, hmmm, ich glaube ehrlich gesagt, meine Hauptbeschäftigung ist Kommunizieren (lacht)!

Naja, wir leben ja im Kommunikationszeitalter...
Ja, das ist sicherlich so! Und es gibt solche Themen, die in meinem Leben immer wieder auftauchen, und eines davon ist sicherlich die Kommunikation. Ein anderes ist Talent - nicht unbedingt meines, sondern mich interessiert Talent im Allgemeinen, junge Menschen, die früh ihr musikalisches Talent zeigen. Aber der Schwerpunkt meiner Tätigkeit ist tatsächlich die Kommunikation, denn ein Dirigent ist ja in der Hauptsache ein Medium, durch das verschiedene Energien und Ideen kanalisiert werden, ein Mittler zwischen Musikern, Sängern und Publikum.

Und was machen Sie mit den jungen Talenten, inwiefern binden Sie die in Ihr Ensemble, in Ihre Projekte ein oder unterrichten Sie?
Ich mache zwei, drei Mal im Jahr Meisterklassen für junge Sänger an der Schola Cantorum Basiliensis, wo ich versuche, etwas von meiner Erfahrung als Operndirigent an die jungen Sänger weiterzugeben. Und dann habe ich in Innsbruck den Cesti-Wettbewerb gegründet und die BAROCKOPER:JUNG, und da kann man natürlich ganz viel für junge Menschen tun. Ja, und dann beziehen wir natürlich auch immer wieder junge Musiker in die Academia Montis Regalis ein, das ist immer sehr bereichernd.

Was ist Ihr Repertoire - gibt es da einen Schwerpunkt oder etwas, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
Mein Repertoire reicht von Monteverdi bis Verdi. Und wissen Sie, ich habe in Basel an der Schola bei meinem Lehrer Jesper Christensen ein System gelernt, wie man sich stilistisch wirklich gut vorbereiten und mit ruhiger Seele zur Probe gehen kann, weil man alles weiß, was man wissen sollte – oder kann: Über das Stück, das Repertoire, die stilistischen Feinheiten und so weiter. Wenn man dieses System also verwendet, dann bedeutet das für mich, dass ich für alles, was ich dirigieren will, in diesem Moment wenn ich es mache, Spezialist sein muss. Ich habe gar keine andere Wahl.
Ich fühle mich also zuhause bei Monteverdi, fühle mich sehr wohl bei Händel, Bach, Scarlatti, ich habe eine Schwäche für Belcanto, also Rossini – das liegt mir auch sehr gut - und Bellini, da habe ich auch viel aufgenommen. Also, ich sehe einen einzigen großen Bogen, der Caccini mit Verdi verbindet: Es ist eigentlich alles Belcanto. Es sind ähnliche Regeln, und man kann vielleicht sagen, dass diese Entwicklung erst ihr Ende fand, als das erste hohe C komponiert wurde, das ein Tenor mit Bruststimme singen - oder schreien - sollte. Alles, was davor passierte, hat viel gemeinsam. Natürlich, die Musik ändert sich, es gibt wichtige stilistische Änderungen. Aber diese Art, schön zu singen, diese Art den Text zu beachten, die hohen Töne nie zu schreien, die Affekte wirklich auszudrücken, das verbindet alle Komponisten von Caccini bis Bellini, ohne Zweifel.

Ließe sich dann also mit Recht behaupten, dass ein gewisser Schwerpunkt bei Ihnen auf dem vokalen Repertoire liegt?
Statistisch gesehen sicherlich. Ich dirigiere mehr Oper und Oratorien, als Instrumentalkonzerte, das stimmt schon.

Und wie viel machen Sie davon mit Ihrem eigenen Ensemble, wie oft werden Sie von anderen Orchestern eingeladen?
Ich arbeite sehr viel als Gastdirigent in verschiedenen europäischen Opernhäusern. Bis vor zwei Jahren hatten wir auch eine eigene Saison mit der Academia Montis Regalis in Turin, wo wir jedes Jahr mehrere Projekte gemacht haben. Jetzt hat sich die Situation in Italien geändert, die öffentlichen Gelder wurden immer weniger - und irgendwann hörte Rom einfach auf, zu zahlen, obwohl wir seit mehreren Jahren auf das Geld warten. Also kurz: Es ist alles schwieriger geworden. Deshalb haben wir einiges umstrukturiert und haben zwar immer noch einige Projekte jedes Jahr im Piemont, aber doch auch öfter Einladungen ins Ausland. Es ist natürlich großartig, dass das Orchester jeden Sommer in Innsbruck bei den Festwochen, deren künstlerischer Leiter ich ja seit 2010 bin, arbeiten darf, denn so kann ich immer sicher sein, dass ich genau die Qualität und den Klang bekomme, die ich mir wünsche.

Was ist das für ein Klang?
Der kommt aus der vokalen Qualität. Wir wissen, dass im 17. Jahrhundert - aber auch später – alle guten Geiger versucht haben, die menschliche Stimme zu imitieren. Und wir kennen die Grundregel, die in allen Quellen steht, dass der Bogen longa, also lang gestrichen werden muss, dolce – also süß und ohne Nebengeräusche -, und das wichtigste: profonda, also satt und voll. Diese drei Aspekte zusammen machen den Klang. Wenn alle Streicher so spielen, dann klingt das ganz anders! Ich habe auch oft das Gefühl, dass viele andere Barockorchester einfach alles eine Oktave zu hoch spielen: Ich höre nur Geräusche und Obertöne, aber kaum mehr diesen Grundklang, der von der Stimme, dem Vokalen kommt.

Und was würden Sie sagen, macht im Hinblick auf die musikalische Gestaltung Ihre Interpretationen aus? Gibt es etwas, weshalb man spontan sagen würde: Ah, das ist De Marchi - wenn man Ihre Aufnahmen hört?
Das müssten Sie eigentlich andere Leute fragen - ich weiß es nicht. Ich versuche einfach, der Partitur zu dienen, und, da ich meistens Vokalmusik mache, auch dem Text. Und ich glaube, ein Markenzeichen könnte auch mein dramaturgisches Denken sein: Dass Instrumente und Sänger immer eine Geschichte erzählen und dass die Affekte sehr wichtig sind - insbesondere in einer musikalischen Welt, in der momentan vor allem die Effekte en vogue sind.

Wie hat man sich das dann als Leser dieses Interviews vorzustellen, was hört man da?
Ich denke, das hängt auch ein wenig vom Repertoire ab. Ich bin auch Jazzmusiker gewesen – und bin nun wirklich überhaupt nicht der Meinung, das müsse man in der Alten Musik imitieren, wie das ja oft genug gemacht wird, und nicht immer mit dem glücklichsten Resultat... Aber diese Grundidee, dass der Rhythmus lebendig, die Melodie expressiv sein muss, dass die perfekte Synchronisation, die Vertikalisierung der Musik manchmal langweilig ist, mechanisch wirkt, das ist mir schon wichtig. Ich wünsche mir von meinem Publikum, dass sie vergessen, dass sie eine Alte Musik-Aufführung hören: Ich wünsche mir, dass die Leute einfach genießen, was da gespielt wird, und dass sie sich in diesem Moment zeigen lassen, was ich mir vorstelle, dass sie es fühlen.

Nun ist mir aufgefallen, dass sie eigentlich relativ streng am Puls bleiben, eher wenig aussingen oder ausspielen lassen. Aber das widerspricht ja ein Stück weit dem, was Sie sagen, oder?
Nein, ich glaube nicht. Das sind zwei verschiedene Faktoren: Es gibt ein motorisches Element, das sehr wichtig ist und historisch gesehen weiß man auch, dass beim Musizieren immer ein Puls respektiert wurde. Was aber die Melodie betrifft: Die Sänger müssen nie absolut vertikal mit mir, mit dem Orchester zusammen sein. Und das gibt ihnen eigentlich eine große Freiheit, aber es ist eine andere Art von Rubato, als man sie sonst meistens hört.
Es gibt einmal die Art, die wir aus Arien kennen, in denen die Sängerin macht was sie will und die Musiker müssen zum Beispiel die Arpeggien, die sie spielen, ständig deformieren, damit alles zusammen bleibt. Die andere Art des Rubato ist die, die im Barockzeitalter normalerweise praktiziert wurde, von Bach und allen anderen großen Komponisten, bis hin zu Mozart - die wir heute aber vielleichtgerade mal von Chopin-Interpretationen kennen: Die Begleitung bleibt stabil - nicht mechanisch, aber stabil; - und die Melodie darf etwas zu früh oder etwas zu spät sein. Und das gibt eigentlich viel mehr Freiheit als die andere Art des Rubato und ist historisch gesehen viel authentischer, als diese Art in der das Orchester immer versucht, dem Sänger hinterherzukommen.
Wir haben heute natürlich die Tendenz, dass wir die Musik genauso hören wollen, wie sie geschrieben ist. Aber zum Beispiel in der brasilianischen Musik, im Samba oder Bossa Nova, da ist der Sänger manchmal einen halben Takt zu spät, und keinem fällt es auf! Das ist da ganz normal. Und wir wissen, dass das auch von allen großen Komponisten praktiziert wurde - übrigens auch im Belcanto-Zeitalter. Manuel Garcia, der Sohn des ersten Conte Almaviva aus Rossinis Barbiere di Seviglia, versucht in einem Buch zu beschreiben, wie sein Vater - der auch Manuel Garcia hieß - dieses Rubato gesungen hat, was in Worten fast unmöglich ist. Ja, das ist wirklich eine sehr interessante Sache: Es ist schwierig in die Realität umzusetzen, und wenn es zu viel ist, dann wirkt es einfach schlecht gespielt oder schlecht gesungen - als wäre es schlicht nicht zusammen. Da muss man immer den Punkt finden, wo das noch angenehm ist.
Das finde ich aber auch gerade spannend, und auf jeden Fall ist das die Art des Musizierens, die mir liegt, die ich schätze.

Fragen und Übertragung: Andrea Braun
Toccata-Alte Musik aktuell, Postfach 10 08 30, 93008 Regensburg, Deutschland
pro.musica.antiqua@t-online, www.promusicaantiqua.de

 

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Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2015

Il Germanico

"Germanicos Wiederentdeckung" 

Gesangsstars wie die Countertenöre David Hansen und Hagen Matzeit, die Altistin Sonia Prina und der Tenor Vincenzo Allemano entdecken Nicola Porporas Oper „Il Germanico“. Fast 300 Jahre verstaubte die Partitur in Bibliotheksregalen, doch nun kommt die 1732 in Rom uraufgeführte Oper bei den Innsbrucker Festwochen wieder auf die Bühne. Niccola Porpora war der gesuchteste Gesangslehrer des 18. Jahrhunderts. Fast alle später berühmten Sängerinnen und Sänger seiner Zeit gingen durch seine strenge, aber wirkungsvolle Schule, selbst Farinelli. Die Partien seiner Opern schrieb Porpora seinen Schülern quasi in die Kehlen. „Er ist der beste Gesangslehrer unter den Komponisten und der beste Komponist unter den Gesangslehrern“, sagte ein Zeitgenosse über Porpora, der seinem Rivalen Georg Friedrich Händel in London das Leben schwer machte. Porpora begeisterte das opernverrückte britische Publikum mit den bestmöglichen Sängerbesetzungen. Er konnte ja alle seine Schüler aufbieten.

Das höchste Gesangsniveau des Barock

Alessandro De Marchi, der nun „Germanicos“ Wiederentdeckung dirigieren wird, beobachtet in Porporas Partituren, dass viele Passagen in den Arien seinen besten Stimmübungen gleichen. Porporas Opernmusik spiegelt das höchste Niveau des Operngesangs in der Barockzeit. „Aber auch wenn seine Art zu komponieren immer damit verbunden war, was er über die Gesangstechnik wusste, so hat er großartige Opernmusik komponiert“, sagt Alessandro De Marchi, der darauf hinweist, dass Porpora aus der neapolitanischen Opernschule kam. Diese ist bekannt für ihre hochwertige harmonische Kompositionskunst.Alle Musikschüler in Neapel mussten auf der Grundlage des Basso continuo den Verlauf der Harmonik und die Modulationen in den Tonarten improvisieren. Die Kompositionen des Neapolitaners Porpora sind die Folge dieser Improvisationspraxis. Das verleiht ihnen ihre große Frische und Unmittelbarkeit des Ausdrucks.

Travestie und tiefe Stimmung

Mitten in seiner Londoner Erfolgszeit erhielt Porpora einen Opernauftrag aus Rom. In der Stadt der Kurie herrschte ein strenges Theatergesetz: Auf Bühnen durften nur Männer auftreten. Für Opern, deren Sujets natürlich auch immer Frauenrollen enthielten, hieß dies, dass die weiblichen Partien allesamt mit Kastraten zu besetzen waren. Die besten Kastraten waren Porporas Schüler. Somit bekam das heilige Publikum eine Topbesetzung geboten: Die Altstars Caffarelli und Annibali sangen Arminio und Germanico, zwei Jungstars (Monticelli und Salimbeni) die Travestierollen der Rosmonda und Ersilda. In Rom gab es damals eine extrem tiefe Stimmung (392 Hz). Auch die Academia Montis Regalis wird in dieser Stimmung spielen, der Klang dadurch besonders warm und vollwertig.

Stolz, Verrat und Güte

Alexander Schulin inszeniert eine auf Tacitus zurückgehende Geschichte von Stolz, Verrat und Güte, eine Episode aus den Feldzügen des römischen Heerführers Germanico in Germanien am Rhein. Arminio, Prinz von Germanien, dessen Schwiegervater die Heimat an die Römer verraten hat, schlägt Friedensangebote von Germanico aus, verliert die Schlacht gegen ihn, wird zum Tode verurteilt und verflucht in seiner Vaterlandsliebe auch noch vor der Hinrichtung die Römer. Germanico ist von Arminios Stolz tief beeindruckt, übertrifft ihn aber noch durch seine Güte: Er schenkt Arminio das Leben.

 

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Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2015

„Stylus Phantasticus“

Wo Fantasie, Capriccio, Präludium, Toccata oder Chaconne draufsteht, ist Improvisation drinnen. So wie heute im Jazz oder im Rock, wurde schon in der Renaissance und im Barock selbstverständlich aus dem Moment heraus und frei musiziert. Auf der Grundlage des Basso continuo entwickelten sich freie melodische und rhythmische Gestaltungsformen. Das Unerwartete wurde zum Ereignis.

Im 17. Jahrhundert bildete sich aus dieser Musizierweise der „Stylus Phantasticus“ heraus. „Die allerfreieste und ungebundenste“ Art des Musizierens, Singens und Komponierens, wie der deutsche Barockkomponist und Musikgelehrte Johann Mattheson feststellte.

Improvisation wird von Alessandro De Marchi zum Hauptthema der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2015 gemacht. Damit rückt der „Stylus Phantasticus“ in den Mittelpunkt. Der Stil war viele Jahrzehnte lang sowohl für die Komposition, als auch für eine freie musikalische Darbietung maßgeblich. Gleichzeitig war er eine allgemeine Musizierhaltung – und ist es heute in der Renaissance der Alten Musik wieder!

Geprägt hat den Begriff der deutsche Universalgelehrte Athanasius Kircher 1650 in seiner Schrift „Musurgia universalis“, in der er eine Musik beschrieb, „die der Phantasie der Komponisten keine strikten Regeln auferlege / die nicht an Worte oder einen Cantus firmus gebunden ist / dem Komponisten weite Entfaltungsmöglichkeiten gibt und Gelegenheit an die Grenzen seiner Kunst zu gehen … “

Von Italien, wo Claudio Merulo in Venedig und Parma mit seinem freien und formenreichen Spiel die Orgelmusik auf eine neue Höhe führte, breitete sich der „Stylus Phantasticus“ über ganz Europa aus. Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein setzte er „in Verwunderung, da man bald auf diese bald auf jene Einfälle geräth, da allerhand sonst ungewöhnliche Gänge, versteckte Zierrathen, sinnreiche Drehungen und Verbrämungen hervorgebracht werden, ohne eigentliche Beobachtung des Tacts und Tons; bald hurtig bald zögernd; bald ein- bald vielstimmig; bald auch auf eine kurze Zeit nach dem Tact: ohne Klang-Maasse; doch nicht ohne Absicht zu gefallen“, um noch einmal die Worte von Mattheson zu wählen.

Das Phantastische, Unvorhersehbare, „Unvorherhörbare“ öffnete neue Räume der Musik. Auch heute wieder beherrschen Interpreten der Alten Musik den „Stylus Phantasticus“. Improvisation ist eine Voraussetzung historischer Aufführungspraxis. Nicht nur in der Instrumentalmusik, auch in der Barockoper. In Arien werden Verzierungen, Kadenzen und Figuren gesungen, die nicht in den Noten stehen, sondern von den Sängern aus dem Augenblick heraus gestaltet werden.

Zwei Opern stehen 2015 im Zentrum der Innsbrucker Festwochen. „Il Germanico“ von Nicola Porpora und „Armide“ von Jean-Baptiste Lully. Porpora war Händels größter Konkurrent in London als Opernkomponist und Impresario, außerdem der berühmteste Gesangslehrer des 18. Jahrhunderts. Seine Arien spiegeln zu hundert Prozent die technischen und gestalterischen Mittel des Barockoperngesangs wider. „Il Germanico“ erlebt in Innsbruck die erste Wiederaufführung nach fast drei Jahrhunderten. Als BAROCKOPER:JUNG wird erstmals in Innsbruck eine französische Oper aufgeführt. „Armide“ war Jean-Baptiste Lullys letzte große Operntragödie und ist die erste „psychologische Oper“.

Barockoper ist 2015 nicht nur auf den Bühnen zu erleben, sondern auch im Eröffnungs- und Abschlusskonzert. Aus Anlass der 250. Wiederkehr der Residenz des Habsburger Hofes in Innsbruck gibt es in der Hofburg ein Konzert unter dem Titel „Gala für Maria Theresia“, in der Ausschnitte aus Opern von Maria Theresias Lieblingskomponisten Hasse und einem ihrer Hofkomponisten, Gluck, zu hören sein werden. Als Gegengewicht zu Lully gibt es zum Ausklang der Festwochen die schönsten Liebes-Arien aus Opern von Rameau.

Komponisten im  „Stylus Phantasticus“ wie Merulo, Frescobaldi und der Innsbrucker Hofmusiker Pandolfi Mealli sind bei den Festwochen 2015 ebenso vertreten wie der venezianische Meister Vivaldi und der deutsche Tonsetzer Praetorius, der einst die Organisten auch schon zum improvisierten Spiel anregte, zu ausgehaltenen Akkorden „mit der anderen Hand feine Läufflin / und andere Diminutiones, wie in den toccaten gebreuchlich / miteinzubringen“.

 

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Innsbrucker Festwochen der Alten Musik 2014

97 Prozent Auslastung und weltweites Echo

Mit großem Jubel für die Opernproduktion von Domenico Scarlattis „Narciso“ endeten am Sonntag die 38. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik. Das Motto „1685“ und der Schwerpunkt auf der Musik von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Domenico Scarlatti lösten ein enorm starkes Publikumsinteresse aus. Die Opern und die Konzerte der Innsbrucker Festwochen sowie der Ambraser Schlosskonzerte verzeichneten heuer eine Gesamtauslastung von 97 Prozent. Viele Veranstaltungen waren restlos ausverkauft. Das Publikum erlebte „durchgängig Veranstaltungen mit einem äußerst hohen künstlerischen Niveau“, freut sich der Geschäftsführer der Innsbrucker Festwochen, Markus Korselt. 10.661 musikbegeisterte Menschen besuchten diesmal die Opernaufführungen und Konzerte der Festwochen. Dazu kamen 12.330 BesucherInnen der frei zugänglichen Veranstaltungen wie dem Schlossfest Ambras, das heuer sein 20-jähriges Jubiläum feierte, und der Lunchkonzerte im Hofgarten.

79 Journalisten aus zwölf Ländern, von Südkorea über Russland bis Frankreich und England, besuchten heuer als Berichterstatter die Innsbrucker Festwochen. Stark war auch das Interesse für den 5. Internationalen Gesangswettbewerb für Barockoper Pietro Antonio Cesti. Aus den mehr als 200 Anmeldungen wählte die Jury 98 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 31 Nationen aus, die um den Einzug in das Finale sangen. Der Sieg ging an den britischen Tenor Rupert Charlesworth. Das Finalkonzert wurde weltweit als Stream übertragen und von 4.000 Zuschauern verfolgt.

Die 39. Innsbrucker Festwochen der Alten Musik beginnen 2015 mit dem ersten Ambraser Schlosskonzert am 14. Juli und enden am 27. August. Der Kartenverkauf für die Saison 2015 beginnt Ende November.

Rupert Charlesworth/ © Martin Vandory

Britischer Tenor gewinnt Cesti-Wettbewerb 2014

Rupert Charlesworth räumt insgesamt vier Preise ab

Zum ersten Mal gewann ein männlicher Teilnehmer den Internationalen Gesangswettbewerb für Barockoper Pietro Antonio Cesti der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik. Der 27jährige britische Tenor Rupert Charlesworth erhielt dabei am Donnerstag, den 21. August, im Finalkonzert nicht nur von der Jury den mit 4000 Euro dotierten ersten Preis zuerkannt, sondern sang sich auch in die Herzen aller Zuhörer im Saal des Tiroler Landeskonservatoriums und gewann den Publikumspreis (1000 Euro). Außerdem wurde der Brite, der mit einer Arie des Renaud aus Lullys Oper „Armide“ und mit einer Arie des Damon aus Händels Masque „Acis and Galathea“ überzeugte, mit zwei Sonderpreisen (Engagements am Theater an der Wien und beim Festival „Resonanzen“ im Wiener Konzerthaus) ausgezeichnet.
Die Plätze zwei und drei gingen an zwei 27jährige Sopranistinnen. Der zweite Preis (3000 Euro) wurde Giulia Semenzato aus Italien verliehen, die eine Arie der Phénice aus „Armide“ und eine Arie der Aristea aus Pergolesis Oper „L’Olimpiade“ sang. Den dritten Preis (2000 Euro) erhielt Daniela Skorka aus Israel für eine Arie der Armide aus Lullys Oper und eine Arie der Angelica aus Händels Oper „Orlando“.
Diesmal stand erstmals eine französische Barockoper im Mittelpunkt des Wettbewerbs-Repertoires. Lullys „Armide“ wird dann kommendes Jahr bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik als BAROCKOPER:JUNG mit Preisträgern und Teilnehmern des diesjährigen Wettbewerbs aufgeführt. Das Centre de Musique Baroque de Versailles stiftete heuer den „Young Artists Award“ (1500 Euro), mit dem die 23jährige italienische Sopranistin Miriam Albano ausgezeichnet wurde.
Insgesamt stellten sich beim größten Barockopern-Wettbewerb der Welt an vier Wettbewerbstagen 98 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 31 Nationen der internationalen Jury unter Vorsitz von Sebastian Schwarz vom Theater an der Wien. Der Jury gehörten außerdem der Intendant der Händelfestspiele Halle, Clemens Birnbaum, der Leiter der Ö-1-Opernredaktion, Michael Blees, der Künstlerische Leiter des Centre de Musique Baroque de Versailles, Benoît Dratwicki, der Künstlerische Leiter des Teatro La Fenice in Venedig, Fortunato Ortombina, der Artist Manager Eitan Sorek und der Künstlerische Leiter der Innsbrucker Festwochen, Alessandro De Marchi, an.

Programm 2015

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Die nächsten Veranstaltungen der Innsbrucker Festwochen: