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Alessandro De Marchi

 


Im Mai 2009 wurde Alessandro De Marchi als Nachfolger von René Jacobs zum Künstlerischen Leiter der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik ab der Saison 2010 bestellt.
Alessandro De Marchi studierte in seiner Heimatstadt Rom am Konservatorium von Santa Cecilia Orgel und Komposition, anschließend an der Schola Cantorum Basiliensis Cembalo, Basso continuo und Kammermusik. Noch während seiner Studienzeit begann De Marchi, inspiriert von seinem Lehrer Jesper Christensen, musikphilologische Forschungsarbeiten anhand von Manuskripten und Partituren Alter Musik. Damals leitete er bereits das Ensemble Il Teatro Armonico in Aufführungen von geistlicher und dramatischer Musik der Barockzeit. Seine Zusammenarbeit mit diesem Ensemble ist durch mehrere CD-Aufnahmen dokumentiert. Als Musiker unternahm De Marchi während und nach seiner Studienzeit Ausflüge in andere Bereiche, so unter anderem als Pianist der St. Louis Big Band.

Als Cembalist trat Alessandro De Marchi nach seiner Studienzeit solistisch in Konzerten und als Begleiter der Rezitative in vielen internationalen Produktionen von Opern des 17. bis 19. Jahrhunderts in Erscheinung. Unter anderem wirkte er in dieser Funktion bei den Salzburger Festspielen unter der Leitung von Daniel Barenboim und als dessen Assistent in der Produktion von „Don Giovanni“ mit. Auch Claudio Abbado sicherte sich mehrfach für Aufführungen von Werken Alter Musik die Mitwirkung von Alessandro De Marchi als Cembalist/Organist und Assistent (u. a. in Bachs „Matthäus-Passion“). 1989 begann in Brüssel am Théâtre de la Monnaie die Zusammenarbeit des Italieners mit René Jacobs: Die erste Produktion, in der De Marchi in Jacobs’ Opernensemble als Cembalist und Assistent mitwirkte, war die Oper „Orontea“ des einstigen Innsbrucker Hofkapellmeisters Cesti, die De Marchi dann auch selbst an vielen Opernhäusern Europas dirigierte. 1993 kam De Marchi mit Jacobs zur Produktion von Monteverdis „Il ritorno d’Ulisse“ erstmals zu den Innsbrucker Festwochen, im selben Jahr trat er außerdem als Cembalist in Monteverdis „Orfeo“ unter der Leitung von Jacobs bei den Salzburger Festspielen auf. Seit 1992 wirkte De Marchi an der Berliner Staatsoper Unter den Linden als Assistent von Daniel Barenboim und als Dirigent von Opern wie Grauns „Cleopatra e Cesare“, Cimarosas „Il matrimonio segreto“, Haydns „L’isola disabitata“ und Rossinis „Il barbiere di Siviglia“. Die kontinuierliche Zusammenarbeit mit René Jacobs führte De Marchi 1997 mit Gaßmanns „L’Opera Seria“ neuerlich zu den Innsbrucker Festwochen. Als Konzertcembalist und -organist trat Alessandro De Marchi 2003 mit dem Ensemble The Rare Fruits Council bei den Ambraser Schlosskonzerten auf.

Alessandro De Marchi etablierte sich als gefragter Opern- und Konzertdirigent mit Schwerpunkt auf der Musik des 17. bis frühen 19. Jahrhunderts im Musikleben Europas und auf Tourneen in Übersee. Er ist heute regelmäßiger Gastdirigent der Hamburgischen Staatsoper, der Sächsischen Staatsoper Dresden, der Berliner Staatsoper, an der Komischen Oper Berlin, an der Württembergischen Staatsoper Stuttgart, am Pariser Théâtre des Champs Elysées, an der Opéra National Lyon, am Teatro Regio Turin, beim Maggio Musicale Florenz, bei den Händel-Festspielen Halle, im Theater an der Wien und am Nationaltheater Prag. In der Academia Montis Regalis, deren Erster Dirigent Alessandro De Marchi ist, fand er ein Ensemble, das seine Vorstellungen von Originalklang und historisch bewusster Aufführungspraxis in intensiver Zusammenarbeit und mit langfristigen Projekten umsetzt.

2006 gastierte De Marchi mit der Academia Montis Regalis erstmals mit einer Opernproduktion bei den Innsbrucker Festwochen und leitete hier eine vielbeachtete Aufführungsserie von Mozarts Serenata „Il Re pastore“. Bei den Festwochen 2008 folgte eine ebenfalls begeistert aufgenommene szenische Produktion von Pasquinis Oratorium „Sant’Agnese“, im Sommer 2009 leitete De Marchi anlässlich des Haydn-Gedenkjahres die Oper „L’isola disabitata“ des österreichischen Komponisten.

Mit der Academia Montis Regalis ist Alessandro De Marchi an der Gesamtaufnahme von Vivaldis musikalischem Schaffen für das renommierte CD-Label Opus 111 beteiligt. Als Konzertdirigent gastiert Alessandro de Marchi bei Ensembles wie dem Münchener Kammerorchester, mit dem er im Dezember 2009 bei den Innsbrucker Meisterkonzerten auftreten wird, dem Orchestre de Chambre de Genève und dem Orchester der Academia Santa Cecilia Rom.

Aufsehen erregende Projekte und Produktionen des Dirigenten Alessandro De Marchi in jüngerer Vergangenheit waren John Neumeiers Ballettversion von Bachs „Weihnachtsoratorium“ mit dem Hamburg Ballett, eine Neuproduktion von Händels „Teseo“ an der Komischen Oper Berlin, eine Aufführungsserie von Hasses „Cleofide“ an der Semperoper Dresden und Produktionen von Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“ und Glucks „Iphigenie in Tauris“ in Hamburg sowie eine CD-Produktion mit Cecilia Bartoli und Juan Diego Florez von Bellinis Oper „La sonnambula“.
Alessandro De Marchis Opernrepertoire reicht von den Monteverdi-Opern, Werken Cestis und Händels über Keisers „Der lächerliche Prinz Jodelet“, Hasses „Cleofide“ und Pergolesis „Il matrimonio segreto“ bis zu Mozarts drei Da-Ponte-Opern und „Die Entführung aus dem Serail“, Haydn-Opern und Werken von Bellini, Rossini und Donizetti. Belcanto-Opern des frühen 19. Jahrhunderts führt De Marchi ebenfalls im Originalklang auf und sieht sie in einer historischen Kontinuität zur Oper der Barockzeit und der Klassik.