Kategorie C

3. Preis

Daniel Mostegel (16 Jahre)
BG/BRG Kufstein

Es war wieder soweit: Die Dunkelheit brach langsam herein und mit ihr kam der Mond. Der alte Mann seufzte, denn der Einbruch der Dunkelheit bedeutete für ihn den Beginn der Arbeit. Er schlüpfte in seine alten Stiefel, zog den dunkelblauen Mantel an und ging die Stiegen hinab in den Keller. Er nahm den großen Beutel und schleppte ihn wieder hinauf. Dort stellt er ihn ab und atmete tief durch. Es würde wieder eine anstrengende Nacht werden und er wusste nicht, wie lange seine alten Knochen das noch mitmachen würden. Sie taten ihm nicht weh, er hatte nie irgendwelche Schmerzen, das würde es ihm unmöglich machen, seine Arbeit zu verrichten, und solange er keinen Nachfolger hatte, konnte er nicht aufhören. Der alte Mann brauchte sich um gar keine menschlichen Bedürfnisse zu kümmern. Er brauchte lediglich Schlaf. Sehr viel Schlaf, denn nach jeder Nacht war er unglaublich müde. Er schlief während des Tages, doch diese zwölf Stunden reichten nicht aus, um ihn fit zu machen. Er betrachtete den Beutel und dachte an jenen Tag zurück, an dem er ihn zum ersten Mal gesehen hatte.
Damals war sein graues Haar noch dunkelbraun, sein Gesicht frei von Falten und sein Geist ausgeruht. Er arbeitete als Polizeibeamter in einem kleinen Städtchen mit kaum siebentausend Einwohnern. Es war kein aufregender Beruf, denn in solch einer Stadt gab es fast keine Arbeit für einen Polizisten. Hin und wieder einen Verkehrssünder zu bestrafen, war bereits etwas Besonderes. Die meiste Zeit verbrachte er Karten spielend mit seinen Kollegen auf der Wache. Gegen Abend ging er nach Hause, aß etwas und verbrachte den Rest des Abends vor dem Fernseher. Es war ein langweiliges Leben und er war sich dessen durchaus bewusst, doch verspürte er nicht den Drang, etwas daran zu ändern.
Eines Abends, sein Dienst war gerade zu Ende und er befand sich auf dem Weg nach Hause, schaute er auf zum Himmel und konnte dort keine Sterne sehen. Zuerst dachte er, es sei einfach nur bewölkt, doch dann sah er den Mond klar und deutlich am Himmel stehen. Es schien, als seien die Sterne verschwunden. Sein erster Gedanke war, jemand habe sie gestohlen, was vollkommen absurd war, da er natürlich wusste, dass das unmöglich war. Aber was war dann mit ihnen geschehen? In ihm erwachte ein Gefühl, das ihn dazu drängte, der Sache auf den Grund zu gehen. Und so fasste er den Entschluss, nach den verschwundenen Sternen zu suchen. Er hatte jedoch keine Ahnung, wo er anfangen sollte, also schlenderte er ziellos durch die Straßen. Nach etwa einer halben Stunde erreichte er den Stadtrand und ging weiter, bis die Lichter hinter ihm verschwanden.
Er folgte der Straße schon seit etwa einer Stunde, als er vor sich ein grelles Licht sah. Er beschleunigte seine Schritte, musste jedoch bald wieder anhalten, da es so hell geworden war, dass er nichts mehr erkennen konnte. Er schloss die Augen, kniete sich auf den Boden und kroch vorwärts, während er mit den Händen den Boden nach der Quelle des Leuchtens absuchte. Diese fand er auch bald in Form von verstreut auf der Straße liegenden Scheiben verschiedenster Größen. Jetzt musste er nur noch herausfinden, wie er sie ausschalten konnte. Er nahm eine von ihnen – ein kleineres Exemplar – in die Hände und tastete jeden Zentimeter auf der Suche nach einem Knopf, einem Schalter oder etwas Ähnlichem ab, konnte aber nichts finden. Frustriert warf er die Scheibe weg. Sie traf mit einem hellen Geräusch auf dem Boden auf und blieb dort liegen. Der Polizist suchte angestrengt nach einer Möglichkeit, das Leuchten abzuschalten. Wenn er doch nur etwas sehen konnte! Er öffnete seine Augen und zu seiner Überraschung war das Licht verschwunden. Auch die Scheiben lagen nicht mehr auf der Straße. Stattdessen stand dort ein alter Mann, er mochte etwa siebzig Jahre alt sein und trug einen dunkelblauen Mantel sowie alte Stiefel. Neben ihm stand ein großer Beutel auf dem Boden. Der Mann gähnte ausgiebig und starrte den Polizisten aus von Falten umgebenen grauen Augen an. Diesem fiel erst jetzt ein, dass er immer noch auf dem Boden kniete, also erhob er sich hastig und klopfte sich den Staub von der Hose. Der Fremde starrte ihn immer noch an. Schließlich sagte er vorwurfsvoll: „Du hast den Stern fallen lassen!“ „Den Stern? Meinst du die Scheibe?“ Ohne auf die Frage einzugehen, drehte er sich um und ging los. Nach wenigen Schritten blieb er jedoch abrupt stehen, als sei ihm etwas Wichtiges eingefallen. „Hättest du nicht Lust, mich zu begleiten?“, wollte er von dem Polizisten wissen. Ohne lange nachzudenken, willigte dieser ein.
Der Mann ging die Straße entlang und legte dabei ein für sein Alter erstaunlich hohes Tempo vor. Er hatte dem Polizisten erklärt, dass er wohl eingeschlafen sein müsse. Der Beutel sei ihm hinuntergefallen und die Scheiben aus ihm heraus gerollt. Wenn er alles richtig verstanden hatte, handelte es sich bei ihnen um Sterne, welche der alte Mann am Himmel verteilen sollte. Auf diese Erklärung hatte er erwidert, das sei Unfug. Darauf war der alte Mann nicht eingegangen. Nach einer Weile blieb er stehen, öffnete seinen Beutel und warf einen „Stern“ nach dem anderen in den Himmel, wo sie hängen blieben und ihr strahlendes Licht verbreiteten. Als alle an ihrem Platz waren, sagte der alte Mann: „Siehst du, es sind Sterne.“ Als der Polizist fragte, was es damit auf sich habe, umspielte ein Lächeln die Lippen des alten Mannes und er bat ihn, mit ihm zu kommen. Er brachte ihn zu seinem Haus und nach langen Erklärungen willigte er ein, sein Nachfolger zu werden.
Heute wusste der ehemalige Polizist, dass er das nicht hätte tun sollen, denn dieser Beruf kostete mehr Kraft als jeder andere auf der Welt. Er seufzte laut und packt seinen Beutel. Vielleicht gelang es ihm irgendwie, während der Sternstunden, wie er seine Arbeitszeit nannte, einen jungen Narren, wie er einst einer gewesen war, zu finden, der sein Nachfolger wurde. Doch bis dahin musste er sein Bestes geben, um die Sterne am Himmel erstrahlen zu lassen.

Kübra Tevek (16 Jahre)
BG/BRG Kufstein

Sternstunden

Es ist so schwer, jemanden zu lieben, aber zu wissen, dass er dir nie gehören wird. Es ist so schwer, seine Gefühle zu zeigen, wenn man nicht sicher ist, dass sie erwidert werden.
Noch schwerer ist es, von jemandem zu träumen, dessen Gedanken vielleicht bei jemand anderem sind ….. Doch das Schwerste von allem ist, sich später einmal zugestehen zu müssen, es nie versucht zu haben. Deshalb wage zu lieben, mit der Gewissheit zu verlieren und mit der Hoffnung, geliebt zu werden.
Es war dunkel. Mein Herz pochte unüberhörbar laut gegen meine Rippen. Doch es war wieder nur ein Traum. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn es wahr gewesen wäre. Tja, wie sagte Sarah immer so schön: Herzlich willkommen auf dem Boden der Tatsachen. Nach einer kurzen Pause geht es gnadenlos weiter mit den Enttäuschungen, wenn wieder einmal etwas nicht so ging, wie wir uns wünschten. Seitdem meine Eltern verkündet hatten, dass wir zu ihm fuhren, beschäftigen meine Gedanken sich nur noch mit dieser Sache. Nur blöd, dass sich mein Gehirn nicht damit beschäftigen soll. Ich kann einfach nicht anders. Meine Eltern würden einen Herzinfarkt bekommen, wenn sie wüssten, was ich alles denke. Über die Liebe nachzudenken, einen festen Freund zu haben, bevor man heiratet, oder in der Öffentlichkeit mit einem Jungen freundschaftlich gesehen zu werden, ist in unserer Kultur nicht gern gesehen. In unserer Kultur ist die Frau eine Blume, die sich nur dem öffnet, der sie wirklich liebt, der ihr verspricht, bis zu ihrem Tode an ihrer Seite zu bleiben und als Symbol dafür ihr einen Ring an den Finger steckt. Ich finde es schön, aber wie soll man denjenigen finden, wenn man keinen Freund haben darf? Ich bin in einem anderen Land geboren und deshalb weiß ich, dass es schwer ist, seine Kultur beizubehalten und nichts anderes von der anderen Kultur zu übernehmen. Ich kenne das und deshalb weiß ich auch, dass ich etwas tun werde, was man eigentlich nicht tun darf. Bevor ich wieder einschlafe, sehe ich sein Gesicht vor mir. Serkan, meinen besten Freund, der für mich nicht mehr nur ein bester Freund ist. Am nächsten Tag ist es soweit, wir fahren los. Ich danke meiner Cousine im Stillen, weil wir sonst wahrscheinlich nicht zu Serkan und seiner Familie fahren würden. Der Grund für die Fahrt war nämlich ihre Hochzeit. Alle meine Freundinnen hatten mir dazu geraten, ihm meine Gefühle zu gestehen, und ich war bereit, diesen zu folgen. Durch dies veranlasst, begann mein Herz ein zweites Mal laut und schnell zu schlagen. Ich war zwar bereit, doch ich hatte dennoch Angst. Angst, enttäuscht zu werden, bis zu dem Augenblick, als unser Wagen stehen blieb und ich ihn sah. Wie er lässig an einem Baum gelehnt mit Oggy diskutierte. Oggy war übrigens mein Cousin und ein guter Freund von Serkan. Dies war der Augenblick, in dem mein Herz aussetzte und ich für einen kurzen Moment dachte, in Ohnmacht zu fallen. Die Angst dominierte in diesem einen kurzen Moment so sehr, sodass ich es mir anders überlegte. Da hatte er bereits unser Auto entdeckt und kam, uns zu begrüßen. Wie toll er doch aussah. Wie glücklich seine Augen leuchteten. „Na endlich“, sagte er, „schon lange nicht mehr gesehen, nicht wahr? Komm, ich hab dir viel zu erzählen.“ Dann nahm er meine Hand und wir liefen in sein Zimmer. Meine Mutter rief uns noch nach, wir sollten uns beeilen, denn bald würde die Hochzeit meiner Cousine beginnen und wir mussten uns noch herrichten. Während Serkan von seinen Problemen erzählte, betrachtete ich sein Gesicht und genoss jeden Augenblick. Dann war es soweit, wir mussten uns herrichten. Ich fragte Serkan, ob er mitkam. Leider verneinte dieser, da er Hochzeiten nicht ausstehen konnte. Ich war enttäuscht und ich glaube, das war mir auch anzusehen. Ich ging widerwillig aus dem Zimmer und machte mich bereit. Danach fuhren wir in den Saal, wo die Hochzeit stattfinden sollte. Nach dem Eröffnungstanz des Paares rief die Sängerin alle zum Tanz auf. In solchen Momenten wünschte ich bei jeder Hochzeit dasselbe: Serkan an meiner Seite, der mich zum Tanz aufforderte. Plötzlich sah ich eine Hand vor mir: „Dürfte ich um diesen Tanz bitten, gnädiges Fräulein?“, fragte Serkan. Ich muss zugeben, ich war überrascht, Serkan auf einer Hochzeit, der mich noch dazu fragte, ob ich mit ihm tanzen wollte? Doch ich stand einfach auf, nahm seine Hand und wir gingen auf die Tanzfläche. Sofort brach Gemurmel unter den Besuchern aus, die wahrscheinlich über uns redeten. Mir war es egal. Ich konnte mir dennoch die Frage nicht verkneifen, warum er zu dieser Hochzeit gekommen war. Er sagte, er sei es nicht gewohnt, mich so traurig zu sehen, und wollte mir eine Freude machen. Er schaute mir tief in die Augen, was eine Erhöhung meines Pulses zur Folge hatte. Ich war so glücklich wie schon lange nicht mehr. Sobald die Musik endete, zog er mich hinaus ins Freie. Er überraschte mich immer wieder. Solche Sachen machte er normalerweise nämlich nicht. Wir spazierten unter dem Sternenhimmel und ich war mir sicher, dass ich ihm heute meine Gefühle gestehen würde. Als ich vor Nervosität zu zittern begann, zog er sein Jackett aus und legte es mir um die Schultern. Er war mir so nah, dass ich ihm tief in die Augen sah und sagte: „Es ist so schwer, jemanden zu lieben und es ihm nicht sagen zu können. Vor allem, wenn er neben mir steht.“ Er sagte lange nichts. Ich fühlte mich gekränkt, ich hätte es nicht tun sollen. „Ich weiß natürlich, dass du mich nicht auf diese Weise magst, ich hab Verständnis dafür. Ich weiß schon.“  Dann drehte ich mich um und wollte gehen, damit er die Tränen nicht sehen konnte, die mir die Wangen hinunter rannen. Plötzlich hielt mich jemand am Arm fest und drehte mich um. Anschließend fühlte ich seine Lippen auf meinen, die sanft auf meinen lagen. Ich spürte ein seltsames Gefühl in der Bauchgegend und konnte an nichts mehr denken. Die Sterne wurden Zeugen dieses Geschehens und meines Glücks. Ich spürte ein Lächeln in meinem Mundwinkel, während ich ihn heftig zurückküsste, bis wir im Gras landeten. Wir lachten, und er gab mir einen Kuss auf die Nasenspitze und riet mir zu mehr Selbstvertrauen und meinte, dass ich eine scharfe Braut sei, weshalb ich ihm einen Schlag auf den Kopf verpasste, wodurch wir schon wieder lachen mussten. Er rollte sich von mir runter und ich schmiegte mich an. Ich fühlte mich großartig und gleichzeitig schuldig, weil ich mich einfach über unsere Kultur hinweggesetzt hatte. Wir betrachteten die Sterne und waren glücklich, und wer weiß, vielleicht hatte ich mich ja meinem zukünftigen Ehemann geöffnet.

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Das Vorprogramm 2012 zum downloaden.

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