Aus der Welt des Goldenen Apfels - Die Regie - Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

Aus der Welt des Goldenen Apfels - Die Regie

Goldene Äpfel © Amir Kaufmann Goldene Äpfel

«Wir haben uns vielleicht ein wenig mitreißen lassen…» 
– Ein Gespräch mit Fabio Ceresa

Monumentale Kulissen, 47 Rollen, ein Mythos, Musik aus dem 17. Jahrhundert – und ein Regisseur, der all das neu erfinden will. Wir haben Fabio Ceresa gefragt, wie man dem Wahnsinn von «Il pomo d'oro» im 21. Jahrhundert gerecht wird. Zwei Antworten lesen Sie hier – und eine ganz besondere haben wir für Sie als Video festgehalten.

Il pomo d'oro gilt als spektakulär: Historische Berichte sprechen von 23 Kulissen und unzähligen Besonderheiten. Welche Bilder können dieser Opernlegende im 21. Jahrhundert gerecht werden?

Unser Ziel ist es, einem zeitgenössischen Publikum ein ähnliches Gefühl des Staunens, der Pracht und des Reichtums zu vermitteln. Wir haben uns einer doppelten Herausforderung gestellt: Einerseits wollen wir der Mechanik und dem Einfallsreichtum der barocken Bühnentechnik Tribut zollen, andererseits wollen wir mit der Klarheit, der Prägnanz und der symbolischen Kraft des modernen Regietheaters sprechen. Das Ergebnis wird ein visueller Parcours sein, der das Original nicht imitieren, sondern neu erfinden will, um denselben Geist des Staunens hervorzurufen. Und ich gebe zu, dass wir uns vielleicht ein wenig mitreißen ließen… denn wir haben definitiv mehr als 23 Szenenwechsel!

Mit 47 Rollen und 20 Solist:innen ist die Oper ein enormes künstlerisches und organisatorisches Unterfangen. Wie schaffen Sie es, jeder Figur Raum zu geben und jeder von ihnen eine eigene Stimmung zu verleihen?

Ich habe mich mit dem Libretto wie mit einem großen Wandteppich auseinandergesetzt: Jede Figur ist ein Faden mit einer eigenen Farbe, einer bestimmten Beschaffenheit und einer präzisen Rolle im Gesamtgefüge. Wenn man ihn aus der Ferne betrachtet, erkennt man die Größe des Ganzen, aber wenn man näher kommt, entdeckt man die Komplexität der einzelnen Linien. Für mich besteht die Arbeit genau darin: die Funktion und die Beschaffenheit jedes Fadens zu verstehen, um dann den Wandteppich auf der Bühne neu zu weben und jedem das Licht zu geben, das er verdient. Auf diese Weise atmet das Werk in seiner Monumentalität wieder durch die Details, die das Herzstück seiner dramatischen Kraft sind.

Und wie beschreibt Fabio Ceresa «Il pomo d'oro» in einem einzigen Wort? Die Antwort darauf können Sie sich in diesem Video ansehen.